Stranding Ovation
Zu Beginn der neuen Germany's Next Topmodel -Folge stranden die Mädchen in Brasilien und während Jorge, dessen Namensschreibung jetzt erst mal von mir ergooglet werden musste, sie auf Platten im Sand spazieren gehen lässt, frage ich mich, warum es keine weiblichen Catwalktrainer zu geben scheint. Oder sind wir nur so heiß auf High-Heel Männer, dass die Frauen einfach keine Chance auf diesen Job in der Show haben? Nun gut, die Frauenquote zu bemängeln, wäre jetzt sicher etwas kleinlich - es fiel mir nur auf. Natürlich muss auch gleich wieder eine Anna-Lena neben einer Rebekka daher laufen und natürlich passt ihr das gar nicht. Dieser Vergleichskrieg ermüdet mich langsam, vor allem, da er so einseitig ausgetragen wird. Wir sehen Anna-Lena jede Woche schimpfen und das Geschimpfe an Rebekka abprallen - "Muss nicht sein.", sagt sie und geht nicht weiter darauf ein. Derweil läuft Marie Luise ganz wunderbar entspannt über die Holzplatten und freut sich zurecht darüber.
Heidis Angels
Weil Heidi Klum nicht präsent sein kann, wird nun ständig eine Live-Schaltung zu ihr organisiert. Thomas & Thomas setzen sich mit Jorge fröhlich plaudernd vor den Fernseher und besprechen die Fälle wie einst Charlie mit seinen Engeln. Auch bei der Entscheidung sitzt Frau Klum dann im Zauberkasten und hat interessanterweise so vieles ganz anders gesehen als die Männer vor Ort. Diese kleinen Plauderstunden wirken etwas albern, als hätten sich die Juroren noch mal zu Kaffee und Kuchen verabredet, um heimlich über die Kandidatinnen zu lästern. Das hätte man vielleicht anders inszenieren, oder auch ganz weglassen können. So sehen wir eine Szene, hören eine Beurteilung und bekommen dann alles noch mal im Gesamtpaket rekapituliert, bevor es endlich weiter geht. Es wäre nicht der Untergang des Abendlandes, wenn die Sendung mal um 22:00 vorbei wäre und uns nicht noch künstlich aufgebläht in die Late - Night transportierte, die dann mit "Red!" auch gleich wieder alles wiederholt, was wir zuvor bei "Germany's Next Topmodel" sahen. Manchmal ist Pro 7 schauen so, als ob jemand einen Witz erzählt und man 5 Sekunden später sagt: "Weißt du noch, wie du da den Witz erzählt hast? Man, haben wir gelacht." Ab 22:00 Uhr ist man schon wieder dabei, sich anzuschauen, was man seit 20:00 Uhr gesehen hat - aber am liebsten brächte man ja auch den Jahresrückblick schon am 2. Januar...
Portugiesisch lernen, Sport machen, schöne Kleider tragen
So schaut dann im Prinzip das Leben nach dem Strand aus. Für ein Kaffeeshooting lernen erst mal alle komplizierte Worte, um sich dann aber auf Deutsch zu blamieren. Sarahs Definition von Temperament ist verwunderlich und die Demonstration desselben gelingt wenigen. Nur Jana und Rebekka dürfen also nach Rio fliegen, Anna-Lena brodelt wieder vor sich hin. In Rio selbst muss getanzt werden, um den Kunden zu überzeugen und obwohl sich beide Kandidatinnen gut machen, muss auch ich als heimlicher Rebekka - Sympathisant zugeben, dass Jana es doch besser macht und sich den Job verdient hat. Ihre Fotos sind dann allerdings nicht so berauschend, wie ich es erwartet hätte.
Wer noch zu jung ist um Kaffee zu trinken, oder nicht überzeugend genug Kaffee trinken wollte, für den geht es zum Casting für das Cover der "Shape". Hier wird ein Fitness-Test gemacht, der dann doch nicht ausschlaggebend für die Entscheidung des Kunden ist, denn gewählt wird Aleksandra, die zwar fit aussieht, aber nicht ist. Für ein Casting hinter geschlossenen Türen wäre dies nicht weiter schlimm, aber dass sich die "Shape" hier im TV so arglos bloßstellen lässt, ist peinlich. Von nun an wissen wir: Die sportlichen Mädchen in diesem Magazin sind wahrscheinlich kein bisschen sportlich. Etwas dumm für ein Fitnessmagazin. Überhaupt sind die Topmodels von morgen erstaunlich unsportlich, nur ein geringer Bruchteil der Kandidatinnen ist wirklich fit. Herzallerliebst ist mal wieder Marie Luise, die sich selbst gerade noch das Können für einen Purzelbaum bescheinigt. Von ihr ist mittlerweile schon ziemlich klar, dass sie nicht die heißeste Anwärterin auf den Topmodelolymp ist, dennoch hofft man, sie möge noch lange dabei bleiben, um die Langeweile zu vertreiben.
Zuguterletzt gibt es noch eine imposante Modenschau, bei der die Mädchen sich in schicken Kleidern vor echtem Publikum beweisen dürfen. Gerade Lisa und Sarah überraschen hier sehr positiv.
Ritt der Walküre, Ranking der Willkür
Diese Woche gibt es noch etwas ganz Besonderes: Ein Ranking. Ein Öffentliches. Da ist gleich zu Beginn von einer Punktevergabe die Rede, aber wer wann für was Punkte gibt, das ist nicht zu erkennen. So wird Aleksandra in der Entscheidung zurecht pampig, denn obwohl ihre Woche perfekt lief, ist sie nicht unter den Top 3. Das liegt daran, dass Thomas & Thomas die Modenschau, an der Dank der Jobs nicht alle Mädchen teilnehmen konnten, ziemlich schwer gewertet haben. So ist zwar noch Jana an der Spitze, weil man sich auf sich als neues Zugpferd eingeschossen hat, aber Aleksandra und Rebekka sind nicht mehr zu finden auf der äußerst schlau gestalteten Rankingtafel, die lediglich Auskunft über die drei Besten und die drei Schlechtesten gibt. Klar muss sich Aleksandra veräppelt fühlen, wenn sie nach Spitzenleistungen im anonymen Mittelfeld versteckt wird. Außerdem erweist sich das neue Punkte(?)system auch bei den schwachen Kandidatinnen als wenig hilfreich, denn auch nach einem Extraposing mit dem "wunderbaren male model", sind Sarah und Sihe gleichauf miteinander. Anstatt mal intuitiv damit rauszurücken, dass es für Sarah nichts werden kann (die Kundenreaktionen sprechen da doch das Machtwort), bekommen beide Mädchen nochmal die "Banane" ("Ich habe eine Banane für dich" war zuvor Marie Luises Fehlübersetzung der Ansage, dass sie in der nächsten Runde sei, in schöner Anlehnung an Heidi Klums "Ich habe heute ein/ kein Foto für dich"). Eine langweilige Entscheidung.
"Ich bin 16, ich sollte so was noch gar nicht können"
Ein schöner Satz von Jil, nachdem sie mit dem Männermodel verführerisch posieren sollte. Das sollte man dann und wann sowohl als Zuschauer als auch bei Pro 7 bedenken, die Mädels sind teilweise blutjung und wenn da wer keinen Kaffee trinkt, oder sich Intimitäten mit furchtbar kliché-haften Muskelmännern verweigert, dann kann man auch mal zurückschrauben und das Alter der Kandidatinnen im Blick behalten. Es wundert mich ohnehin, dass nicht ständig brüskierte Mütter auftauchen, um ihre minderjährigen Mädchen wieder mit heimzunehmen.
Eine blonde Asiatin und Kaffee in Brasilien
Sihe bekommt keine Jobs. Warum? Weil man ihr die Haare abgeschnitten und blond gefärbt hat. Jetzt sieht sie interessant aus, ist aber zu speziell, um in irgendeine Werbekampagne hereinzupassen. Das hätte man vielleicht überdenken sollen. Schon letzte Woche konnte sie schlecht für ein Haarprodukt ausgewählt werden, jetzt kann sie schlecht als blonde Asiatin brasilianisches Temperament verkörpern. Jetzt landet sie regelmäßig bei den Wackelkandidatinnen - das ist ja prima gelaufen.
War was?
Erneut muss ich sagen, dass die Folge ziemlich langweilig war. Keine tollen Fotos, keine interessanten Aufgaben, lediglich die Modenschau war einigermaßen spannend, sonst hatte Germany's Next Topmodel diese Woche nichts zu bieten. Auch das Gift, dass unter die Mädchen gemischt wurde, bringt nichts hervor, denn Rebekka will die Hutschnur trotz aller Anfeindung nicht platzen und Sarah ist sich ihrer Unbeliebtheit zwar bewußt, schießt aber ebenfalls nicht zurück, sondern lässt sich leise mobben und steht mutterherzerweichend allein da, wenn sie in die nächste Runde kommt. Auch wenn man ihr die Eignung zum Topmodel absprechen muss, sieht man sich doch mit mulmigem Gefühl im Magen an, wie die Gruppe sie verstößt. Es rächt sich, dass der Fokus über die letzten Jahre auf die persönlichen Dramen der Mädchen gelegt wurde, denn diese finden in der aktuellen Staffel nur halbherzig statt und nun weiß man nicht, wohin man schwenken soll. Mehr Qualität tut Not, mehr Kunst, mehr Fotografie, mehr Stil, mehr Mode. Mehr als ein Schluckauf in der Fernsehlandschaft ist diese Sendung jedenfalls gerade nicht.
Sich die Nägel machen und auch sonst die Welt verbessern - ab sofort ist hier nachzulesen, wie es geht!
Donnerstag, 28. April 2011
Samstag, 23. April 2011
"Nice Delivery!" Parabelflugzeuge und Haargeläster
Es ist Halbzeit bei Germany's Next Topmodel und von den Juroren wird auch keiner so schnell müde, das zu betonen. Verstanden, Halbzeit, jetzt gelten keine Ausreden mehr. Thomas & Thomas sitzen auch gleich zu Beginn knallhart auf Motorrädern, um ihre sich jetzt einstellende männliche Härte mit einem Ausrufungszeichen zu versehen. Sie machen klar: Ohne "Magic Moment" und "Delivery" geht es jetzt nicht mehr. Irgendwie stellt sich die Sendung mit solchen Ansagen aber auch selbst ein Bein. War denn bisher alles noch mittelmäßig? Wurde den Mädchen ergo nichts abverlangt? Qualität erst ab der Halbzeit? Nein, lediglich eine Präambel, die mal wieder den Druck aufbauen soll. doch dafür, dass jetzt angeblich alles besonders tough werden soll, ist die Folge doch recht langweilig.
Schüttel dein Haar für mich
Zu Beginn erleben wir ein Casting für Garnier, die für eine Printkampagne ein Haarmodel suchen. Die Mädchen laufen mit Tuch und schütteln ihr prächtiges Haupthaar für den Kunden, doch natürlich kann nur schütteln, wer hat. Das manches Haar zu kurz für die Kampagne ist, wird schnell klar und besonders Sihe mag einem leid tun, weil ihre langen, schwarzen Locken nicht mehr sind. Das die anderen Mädchen allerdings gleich wie die Habichte übereinander herfallen, erweckt in mir mal wieder den Wunsch, die Handynummern der Mädels zu besitzen und ihnen der Reihe nach auf den Anrufbeantworter zu sprechen: "Du baust dir da ein Image auf, dass dir nicht gefallen, aber an dir kleben bleiben wird!" Pauline ersehnt sich da gleich mal den Absturz der ausgewählten Kandidatinnen, die einen Parabelflug vor sich haben und bescheinigt Rebekka eine Hässlichkeit, die von innen kommt. Deren angebliche Naturlocken, die sie sich dann doch künstlich ins "Strohhaar" dreht, scheinen ohnehin ein beliebtes Thema zu sein und ich frage mich dann oft, ob ich das falsche Mädchen anschaue, da mir diese Worte nicht in den Sinn kommen. Nun hat sich Paulina jedenfalls durch ihre Kommentare auf der dunklen Seite der Macht verortet und ist auch prompt aus der Show geflogen. Das hat sich ja direkt gelohnt. Ich empfand Pauline eigentlich immer als eine gute Anwärterin für den Titel, immerhin hat sie dann doch den Topmodel -Look und ist wandlungsfähig, aber mittlerweile ist Germany's Next Topmodel nicht mehr die jüngste Show und man weiß, die Skandalschnuten landen meistens nicht weit vorn, weil ganz klar kein Kunde sich das negative Image eines Models mit in die Kampagne holen möchte ( wenn es sich nicht gerade um eine Naomi Campbell handelt ...). Ein kleiner Hinkucker ist dann noch Janas Unterwäsche, die Thomas nicht unkommentiert lassen kann: "Der Schlüpper passt zum Tuch!" Danke, Thomas. Du findest doch immer die richtigen Worte.
f(x) = x²
Na? Kennt ihr das noch? Ganz klar, das wird eine Parabel und wer sich jahrelang gefragt hat, wozu die gut sein soll, der bekommt jetzt den Parabelflug, bei dem die drei gewählten Kandidatinnen sich in Momenten der Schwerelosigkeit beweisen dürfen. Das Amelie mit ihrem ellenlange (beinahe abrasiertem!) Haar bei diesem ziemlich coolen Shooting abräumt, erwartet man quasi schon, aber trotzdem, auch Professionalität ist da im Spiel. Amelie macht ihre Jobs zunehmend besser und begeistert deshalb natürlich die Jury und den Kunden.
Dampflok, Körperklaus und Roboter
Diese Spitznamen haben sich Paulina, Marie-Luise und Sarah aufgrund ihrer Laufstegqualitäten selbst gegeben und müssen endlich mal trainieren. Das ist ganz witzig anzuschauen, aber auch schon lange mal dran gewesen, denn im Vergleich zu den frühen Staffeln der Show scheint dieses Training mehr und mehr zu kurz zu kommen. Gab es da nicht mal einen Übungslaufsteg? Jetzt scheint man sich damit zu begnügen, den Mädchen zu sagen, sie müssten üben, aber ohne Supervision kann das ja nur schief gehen. Das sich Training lohnt, zeigt sich schlussendlich bei Sarah, die es beim abschließenden Live-Walk tatsächlich mal schafft, die Jury zu überzeugen. Warum also nicht früher diese Extra-Übungen? Die Mädchen sollen das Modeln schließlich auch erst mal lernen. Dennoch gut, dass es überhaupt stattfindet. Marie-Luise hätte sich das Ganze ja mit Büchern, statt mit Eimern gewünscht. Dazu kann ich nur sagen: That's TV, Mary Lou.
Catfight, JETZT!
Es kann vorkommen, das man mit seiner TV Show in die Halbzeit kommt und feststellen muss: Zu wenig Drama, Baby. Aber dafür gibt es Abhilfe: Man stopft die Teilnehmerinnen in Zweiterteams und lässt sie dann in einem "Ich bin viel toller als du" - Delivery - Contest antreten. Das Argument: Man muss sich ja immer gegen die Konkurrenz durchsetzen. Ja... so? Das ist ein Alltagstest? Erstens mal glaube ich nicht, dass man sich bei einem Casting für die Kandidatin entscheiden würde, die ihrer Konkurrentin immer nur herrisch die Hand vor den Mund hält, sondern dann doch schon die Qualität der Argumente bewertet, zweitens müssen Models für gewöhnlich nicht nach solchen Konkurrenzkämpfen von Kameras begleitet miteinander die Zimmer teilen. Die Show stützt sich mittlerweile doch sehr auf ihre Soap-Elemente und da noch zu wenig Tränen geflossen und die Krallen auch nur zur Hälfte ausgefahren sind, versucht man da noch ein wenig Würze hineinzubringen. Leider viel zu offensichtlich und auch bei einigen Teams entzückend wenig erfolgreich. Sihe ist zum Beispiel ein Mädchen mit Anstand und auch wenn sie sich selbst zumindest argumentativ besser präsentieren könnte, so ist es doch schön mit anzusehen, wie sie die Konkurrentin lobt, anstatt sich selbst groß zu machen. Das ihr nun beigebracht wird, wie schlimm doch Nettigkeit ist, finde ich verwerflich. Da kann Thomas von seiner "Reality" reden, wie er will, Freundschaft und Fair Play sind sicher keine Fremdwörter in der Liga der Topmodels.
"Er hat so gut gerochen, so sauber, so intelligent"
Von einem Casting geht's ins nächste und die Kandidatinnen müssen mit einem gutriechenden Männermodel posieren. Das ist nicht weiter spektakulär und weil Joana schon ein kleiner Profi ist, bekommt sie den Job. Den macht sie auch gleich sehr gut, ihre Wandlungsfähigkeit ist ja bereits thematisiert worden.
Feuer, Foto, Fantasielos
Zum Schluß gibt es noch ein entscheidendes Fotoshooting und wieder lässt man die Mädchen in Zweierteams antreten. Weder das Shooting selbst noch die Konstellationen sind originell: Bikinimädchen vor einer Feuerlandschaft? Ach. Rebekka muss mit Anna-Lena shooten? Ach.
Wer besser shootet, ist gleich eine Runde weiter und das ist natürlich nicht zum Anheizen der Stimmung gedacht. Dafür ist ja das Feuer da - Haha! Ein kleiner Aufreger ist noch die kranke Sarah, die mit Nasennebenhöhlenentzündung im Bett liegt, dann aber doch zum Shooting kommt, um gleich mit der Häme aller Konkurrentinnen übergossen zu werden. Schön inszeniert ist natürlich ihre Ankunft am Set, man könnte meinen, einen Trailer für "8 Mile" zu sehen. Nun ja, mein Kommentar dazu: Nasennebenhöhlenentzündung vortäuschen halte ich für unmöglich (die haben da Ärzte, Mädels) und nur, weil man dann und wann doch lacht, ist man nicht urplötzlich gesund. In dubio pro reo, meine Damen. Tja, und dann macht sie ihre Sache auch noch gut und kommt weiter, im Gegensatz zu Natascha, die einen schönen Zweifel hat: "Ich glaube nicht, dass es kein besseres Foto von mir gab." Oha, dafür bekommt sie gleich die Verbalpeitsche. Sie soll mal nicht so frech sein. Allerdings teile ich ihren Zweifel, immerhin hatte sie sich vorher beim Shooting noch wie wild in Pose geworfen. Nur passt sie jetzt wohl nicht mehr ins Showkonzept ODER wird vielleicht später nochmal zurück geholt werden (das ist ja auch ein gerne angewandter Kniff, weil er so schön unfair auf die anderen Kandidatinnen wirkt). Auch gehen muss Anna-Lenas Disskollegin Pauline/Paulina (?), sicher auch wegen jenem kleinen "schwarzen Fleck im Herzen", der natürlich nicht so thematisiert wird.
Halbzeit. Und doch so langweilig. Weder das Shooting noch die Castings waren besonders aufregend, lediglich der Parabelflug war interessant. Sonst viel Öl ins Zickenfeuer und nicht mal da lodernde Stichflammen.
Da mag ich nicht einmal ein ausgefeiltes Schlusswort schreiben...
Schüttel dein Haar für mich
Zu Beginn erleben wir ein Casting für Garnier, die für eine Printkampagne ein Haarmodel suchen. Die Mädchen laufen mit Tuch und schütteln ihr prächtiges Haupthaar für den Kunden, doch natürlich kann nur schütteln, wer hat. Das manches Haar zu kurz für die Kampagne ist, wird schnell klar und besonders Sihe mag einem leid tun, weil ihre langen, schwarzen Locken nicht mehr sind. Das die anderen Mädchen allerdings gleich wie die Habichte übereinander herfallen, erweckt in mir mal wieder den Wunsch, die Handynummern der Mädels zu besitzen und ihnen der Reihe nach auf den Anrufbeantworter zu sprechen: "Du baust dir da ein Image auf, dass dir nicht gefallen, aber an dir kleben bleiben wird!" Pauline ersehnt sich da gleich mal den Absturz der ausgewählten Kandidatinnen, die einen Parabelflug vor sich haben und bescheinigt Rebekka eine Hässlichkeit, die von innen kommt. Deren angebliche Naturlocken, die sie sich dann doch künstlich ins "Strohhaar" dreht, scheinen ohnehin ein beliebtes Thema zu sein und ich frage mich dann oft, ob ich das falsche Mädchen anschaue, da mir diese Worte nicht in den Sinn kommen. Nun hat sich Paulina jedenfalls durch ihre Kommentare auf der dunklen Seite der Macht verortet und ist auch prompt aus der Show geflogen. Das hat sich ja direkt gelohnt. Ich empfand Pauline eigentlich immer als eine gute Anwärterin für den Titel, immerhin hat sie dann doch den Topmodel -Look und ist wandlungsfähig, aber mittlerweile ist Germany's Next Topmodel nicht mehr die jüngste Show und man weiß, die Skandalschnuten landen meistens nicht weit vorn, weil ganz klar kein Kunde sich das negative Image eines Models mit in die Kampagne holen möchte ( wenn es sich nicht gerade um eine Naomi Campbell handelt ...). Ein kleiner Hinkucker ist dann noch Janas Unterwäsche, die Thomas nicht unkommentiert lassen kann: "Der Schlüpper passt zum Tuch!" Danke, Thomas. Du findest doch immer die richtigen Worte.
f(x) = x²
Na? Kennt ihr das noch? Ganz klar, das wird eine Parabel und wer sich jahrelang gefragt hat, wozu die gut sein soll, der bekommt jetzt den Parabelflug, bei dem die drei gewählten Kandidatinnen sich in Momenten der Schwerelosigkeit beweisen dürfen. Das Amelie mit ihrem ellenlange (beinahe abrasiertem!) Haar bei diesem ziemlich coolen Shooting abräumt, erwartet man quasi schon, aber trotzdem, auch Professionalität ist da im Spiel. Amelie macht ihre Jobs zunehmend besser und begeistert deshalb natürlich die Jury und den Kunden.
Dampflok, Körperklaus und Roboter
Diese Spitznamen haben sich Paulina, Marie-Luise und Sarah aufgrund ihrer Laufstegqualitäten selbst gegeben und müssen endlich mal trainieren. Das ist ganz witzig anzuschauen, aber auch schon lange mal dran gewesen, denn im Vergleich zu den frühen Staffeln der Show scheint dieses Training mehr und mehr zu kurz zu kommen. Gab es da nicht mal einen Übungslaufsteg? Jetzt scheint man sich damit zu begnügen, den Mädchen zu sagen, sie müssten üben, aber ohne Supervision kann das ja nur schief gehen. Das sich Training lohnt, zeigt sich schlussendlich bei Sarah, die es beim abschließenden Live-Walk tatsächlich mal schafft, die Jury zu überzeugen. Warum also nicht früher diese Extra-Übungen? Die Mädchen sollen das Modeln schließlich auch erst mal lernen. Dennoch gut, dass es überhaupt stattfindet. Marie-Luise hätte sich das Ganze ja mit Büchern, statt mit Eimern gewünscht. Dazu kann ich nur sagen: That's TV, Mary Lou.
Catfight, JETZT!
Es kann vorkommen, das man mit seiner TV Show in die Halbzeit kommt und feststellen muss: Zu wenig Drama, Baby. Aber dafür gibt es Abhilfe: Man stopft die Teilnehmerinnen in Zweiterteams und lässt sie dann in einem "Ich bin viel toller als du" - Delivery - Contest antreten. Das Argument: Man muss sich ja immer gegen die Konkurrenz durchsetzen. Ja... so? Das ist ein Alltagstest? Erstens mal glaube ich nicht, dass man sich bei einem Casting für die Kandidatin entscheiden würde, die ihrer Konkurrentin immer nur herrisch die Hand vor den Mund hält, sondern dann doch schon die Qualität der Argumente bewertet, zweitens müssen Models für gewöhnlich nicht nach solchen Konkurrenzkämpfen von Kameras begleitet miteinander die Zimmer teilen. Die Show stützt sich mittlerweile doch sehr auf ihre Soap-Elemente und da noch zu wenig Tränen geflossen und die Krallen auch nur zur Hälfte ausgefahren sind, versucht man da noch ein wenig Würze hineinzubringen. Leider viel zu offensichtlich und auch bei einigen Teams entzückend wenig erfolgreich. Sihe ist zum Beispiel ein Mädchen mit Anstand und auch wenn sie sich selbst zumindest argumentativ besser präsentieren könnte, so ist es doch schön mit anzusehen, wie sie die Konkurrentin lobt, anstatt sich selbst groß zu machen. Das ihr nun beigebracht wird, wie schlimm doch Nettigkeit ist, finde ich verwerflich. Da kann Thomas von seiner "Reality" reden, wie er will, Freundschaft und Fair Play sind sicher keine Fremdwörter in der Liga der Topmodels.
"Er hat so gut gerochen, so sauber, so intelligent"
Von einem Casting geht's ins nächste und die Kandidatinnen müssen mit einem gutriechenden Männermodel posieren. Das ist nicht weiter spektakulär und weil Joana schon ein kleiner Profi ist, bekommt sie den Job. Den macht sie auch gleich sehr gut, ihre Wandlungsfähigkeit ist ja bereits thematisiert worden.
Feuer, Foto, Fantasielos
Zum Schluß gibt es noch ein entscheidendes Fotoshooting und wieder lässt man die Mädchen in Zweierteams antreten. Weder das Shooting selbst noch die Konstellationen sind originell: Bikinimädchen vor einer Feuerlandschaft? Ach. Rebekka muss mit Anna-Lena shooten? Ach.
Wer besser shootet, ist gleich eine Runde weiter und das ist natürlich nicht zum Anheizen der Stimmung gedacht. Dafür ist ja das Feuer da - Haha! Ein kleiner Aufreger ist noch die kranke Sarah, die mit Nasennebenhöhlenentzündung im Bett liegt, dann aber doch zum Shooting kommt, um gleich mit der Häme aller Konkurrentinnen übergossen zu werden. Schön inszeniert ist natürlich ihre Ankunft am Set, man könnte meinen, einen Trailer für "8 Mile" zu sehen. Nun ja, mein Kommentar dazu: Nasennebenhöhlenentzündung vortäuschen halte ich für unmöglich (die haben da Ärzte, Mädels) und nur, weil man dann und wann doch lacht, ist man nicht urplötzlich gesund. In dubio pro reo, meine Damen. Tja, und dann macht sie ihre Sache auch noch gut und kommt weiter, im Gegensatz zu Natascha, die einen schönen Zweifel hat: "Ich glaube nicht, dass es kein besseres Foto von mir gab." Oha, dafür bekommt sie gleich die Verbalpeitsche. Sie soll mal nicht so frech sein. Allerdings teile ich ihren Zweifel, immerhin hatte sie sich vorher beim Shooting noch wie wild in Pose geworfen. Nur passt sie jetzt wohl nicht mehr ins Showkonzept ODER wird vielleicht später nochmal zurück geholt werden (das ist ja auch ein gerne angewandter Kniff, weil er so schön unfair auf die anderen Kandidatinnen wirkt). Auch gehen muss Anna-Lenas Disskollegin Pauline/Paulina (?), sicher auch wegen jenem kleinen "schwarzen Fleck im Herzen", der natürlich nicht so thematisiert wird.
Halbzeit. Und doch so langweilig. Weder das Shooting noch die Castings waren besonders aufregend, lediglich der Parabelflug war interessant. Sonst viel Öl ins Zickenfeuer und nicht mal da lodernde Stichflammen.
Da mag ich nicht einmal ein ausgefeiltes Schlusswort schreiben...
Freitag, 15. April 2011
"Wo ham wir nochma die Pads für die Busen?" Ballerina, Dirndl & Tanzmarie
Cirque du soleil
Ein Aspekt, der mich schon immer an Germany's Next Topmodel begeistert hat, sind die Fotoshootings, denn auch wenn diese mal nicht mit Taranteln und Ratten zum publikumsheischenden Schocker gemacht werden, sind sie doch immer sehenswert. Das es sich bei der Fotografie um eine Kunst handelt, die sowohl dem Model, dem Setting als auch dem Fotografen einiges an Können abverlangt, wird in dieser Show zurecht gerne betont und so stellt sich mir auch nie die Frage, ob eines der Shootings den Mädchen zuviel abverlangt. Dies ist der Job, für den sie letztendlich bezahlt werden möchten.
Das Manegen-Ambiente in dieser Woche war eine schöne Abwechslung zu den sonst eher actiongeladenen Settings der Show und die meisten Kandidatinnen haben die Chance genutzt, um ein bezauberndes Foto abzustauben. Dennoch gibt es am Procedere etwas zu bemängeln. Die Entscheidung, Simone schon während des Shootings in die Heimat zu schicken, hielt ich für unangemessen und zudem sehr kontraproduktiv. Zum einen mag man sich fragen, warum denn in der letzten Woche mit der Begründung, noch einmal jedem eine Chance geben zu wollen, niemand die Show verlassen musste, wenn es nun doch jene Chance für Simone nicht mehr gibt. Zum anderen sind die Kandidatinnen ohnehin einem sehr großen psychischen Druck ausgesetzt und es ist sicherlich nicht förderlich, wenn das Timing der Entscheidungen plötzlich eine solche Willkür erhält. Zu wissen, dass man jederzeit rausgeworfen werden kann, stellt eine unglaubliche Dauerbelastung für die verbliebenen Kandidatinnen dar. Zum ersten Mal empfand ich hier Anna Lenas Empörung: "Das ist echt gestört!" gerechtfertigt. Auch Tahnees Stressreaktion ist verständlich.
Bei der Performance der einzelnen Mädchen sind mir besonders Amelie, Natascha und Lisa aufgefallen. Diese Mädchen haben das Glück, weder zu markant noch zu unbesonders schön zu sein, was ihre Wandlungsfähigkeit enorm unterstützt. Ich denke, dass gerade diese Eigenschaft sich für sie als vorteilhaft erweisen wird. Rebekka hingegen hat, wie bereits letzte Woche angemerkt wurde, eher Ambitionen im Mainstream, also im Bereich des commercial modeling zu landen. Obwohl sie zu meinen persönlichen Favoritinnen zählt, bezweifle ich schon aufgrund der Aufmachung der Show, also der bisherigen 'Erzählstruktur', dass sie als Gewinnerin des Contests vorgesehen ist. Wahrscheinlicher ist wohl, dass eines der bisher weniger im Rampenlicht stehenden Mädchen zum Schluss zum Schwan gekürt wird.
Etwas befremdlich finde ich Heidi Klums Teilnahme am Shooting. Das Pokertunier scheint mir fingiert und es drängt sich der Verdacht eine Pseudo-Kameradschaft der Jurorin mit den Mädchen auf. Gerne mal wird es von den Kandidatinnen bejubelt, wenn Frau Klum sich an den Aktivitäten beteiligt, jedoch ist die Medienwirksamkeit solcher Szenen sicherlich nicht unerheblich. Dennoch muss man sagen, dass diese Momente wenigstens nichts Aufdringliches oder gar Anbiederndes haben. Letztendlich ist es eben doch eine TV Show und da dürfen Strategien wie das Einsetzen von Star-Appeal nicht fehlen.
Von Oberweiten und Fettnäpfchen
Das Dirndl-Casting im Hofbräuhaus Las Vegas offenbarte so Einiges, mitunter auch im Themenbereich Oberweite. Schon als Thomas Rath nach den Busenpads verlangte, versank mein Gesicht kurz in einer eleganten Facepalm, denn dies sind die Momente, in denen Pro7 für mich kurz im RTL2 Niveau landet. Galant versteckt sich nämlich gern auch der Voyeurismus in einigen der Kamerafahrten und so sind mir nun schon mehr Körperteile der Mädchen visuell geläufig, als es ihnen und mir lieb ist. Auch wenn es hier im Gegensatz zu anderen Sendern noch relativ diskret zugeht, wäre mir doch wohler dabei, den Kandidatinnen nicht beim Umkleiden zuschauen zu müssen. Das Thema Oberweite wurde dann von Sarah auch munter mit ins Casting genommen und dort zurecht mißbilligt. Allerdings muss man sagen, dass die Teilnehmerinnen teilweise sehr schlecht auf ihre Rollen in der Medienwelt vorbereitet sind. Viele von ihnen plappern sich um Kopf und Kragen, nichtsahnend, welchen Schaden sie damit anrichten können. Sarahs Oberweiten-Argument zum Beispiel war schlichtweg unprofessionell, aber auch einige Dinge, die die Mädchen in die Kamera hineinerzählen, geben einem zu denken. Die vielen missgünstigen Kommentare, die hier fallen, verbauen ihnen eigentlich schon per se eine Karriere als Topmodel und manchmal möchte man sie gerne durchschütteln deswegen. Natürlich ist diese Naivität aber auch das, was die Show braucht - es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Rivalität der Konkurrentinnen mächtig befeuert wird, denn Emotion bringt Quote. Nur manchmal wünschte man sich, dass die Mädchen sich nicht so leicht manipulieren ließen.
Interessant in dieser Hinsicht ist Rebekka, die trotz vielen Anfeindungen selbst nicht sehr feindselig reagiert. Anstatt zurückzuschießen hat sie für ihre Gegenspielerinnen oft nur ein Schulterzucken übrig - ist das nun Anstand oder Strategie?
Tanz für mich, Baby
Während Rebekka nun Dirndl bewerben darf, gehört den restlichen Mädchen die Bühne. Für eine Islandreise müssen sie mal eben das Tanzbein schwingen und eine elvisianische Kulisse damit zum Leben erwecken. Auflockerung ist ein gerne genommenes Schlagwort für solche kleinen challenges, aber Hand auf's Herz, notwendig ist das nicht. Das nicht die Beste, Amelie, sondern die Überraschendste, Marie Luise, die Reise schlussendlich gewinnt, erscheint nicht ganz fair, zumal die angeblich stattgefundene große Enwicklung ja auch eher fraglich ist. Mit dem finalen Ziel Topmodel jedenfalls hat diese Abfeierei nicht viel zu tun und wenigstens sieht man Marie nun einmal entschädigt für die ganze Tanzbär-Nummer, die sie nun schon seit Wochen aufführen muss.
Interessant ist Anna Lenas Raucher-Lunge, und zwar nicht aufgrund ihrer Existenz, sondern weil man hier einen kleinen Einblick in die Gebote der Show bekommt. "Das darf ich gar nicht sagen!", meint sie erschrocken, aber da ist es schon zu spät. Fit, schön & gesund, so sieht das Label aus, dass die Kandidatinnen auf der Stirn tragen sollen, doch mal ehrlich, wie wahrscheinlich ist es wohl, dass unter allen Bewerberinnen nicht eine einzige Raucherin zu finden sein soll? "Ich höre ja gerade mit dem Rauchen auf", wird da auch gleich nachgeschoben, als ob man sich für jedes kleine Laster, welches nicht ins Klumsche Universum passt, gleich schämen müsse.
Haute Couture & Entkrampfungspuff
Im entscheidenden Live-Walk müssen die Kandidatinnen Haute Couture präsentieren, also gnadenlos teure Designerkunstwerke, die niemals etwas anderes als den Laufsteg sehen werden. Das soll mit feierlichem Ernst geschehen und der will Manchen nicht gelingen. Wenn dann der Satz "Rebekka, du lernst ihr das!" kommt, krampfen einem schon die Eingeweide. Zwar trollen sich die Verantwortlichen dann mit der Erklärung "Rebekka kann das, sie kann helfen" plausibel davon, aber im Endeffekt ist doch allen klar, welche Wirkung solche Ansagen haben. Niemand will sich von einer defacto Gleichgestellten gerne zeigen lassen, wie der Job zu erledigen sei. Da kann man noch so oft das Plädoyer vortragen, man solle sich doch von den Besseren was abschauen - um das einzusehen sind die meisten Kandidatinnen einfach nicht bereit. Ich behaupte hingegen, dass hier gezielt mit Neid und Drama gearbeitet wird. Dennoch erneut interessante Reaktionen von Rebekka. Auch wenn sie "du Huhn" gerufen wird, sie gibt die Hilfestellung ohne Murren. Das war auch schon in der Vergangenheit der Fall, als sie die Aufgabe hatte, Anna Lena und Tahnee zu coachen. Trotz deren Widerspenstigkeit kamen von Rebekka keine bösen Kommentare, höchstens ein leichtes Entnervtsein. Noch einmal stellt sich mir die Frage: Charakterstärke? Plan? Interessant in jedem Fall.
Ein Highlight sind Anna Lenas Liegestütze und hier geht nun einmal ein Kompliment an die Riegen Schnitt, Ton und an alle, die sonst noch hinter den Kulissen werkeln, denn eines muss man der Show lassen: Sie wird unterhaltsam gestaltet und die Dramaturgie stimmt. So wird Anna Lenas Strafe zum netten Gag, ohne sie dabei allzusehr durch den Kakao zu ziehen.
Was hier an Würde bleibt, wird anderswo genommen.
Es nennt sich der Entkrampfungspuff und ist der absolute Stilbruch. Was die Sendung sonst an Klasse aufzubauen versucht, wird hier wieder niedergerissen, denn auf jenem Puff räkeln sich die verkrampften Laufstegköniginnen vor den Juroren, wann immer es denen gefällt. Mit einem Mal meint man, der Erotikkanal hätte sich eingeschlichen und das mag ja nicht jedem missfallen, aber den Mädchen selbst ist es sichtlich unangenehm. Das Prinzip des willigen Tanzbären, den ja Marie nun schon so oft spielen musste, nun wird es Joana aufgebürdet und ich muss mich fragen, wem denn diese lüsterne Laufstegserweiterung eingefallen ist. Schult man so Topmodelqualitäten? Oder bereitet man die Mädchen so auf die Plan B Karriere beim Miternachts-Call-TV vor? Dieser "Puff" gehört meiner Meinung nach jedenfalls gestrichen.
"Du bist ein wunderhübsches Mädchen"
Zuguterletzt nun ein Kommentar zum Abschlusswort. Die Kandidatinnen von Germany's Next Topmodel müssen eine Menge Kritik annehmen, was sehr an die Substanz gehen kann. Heute hatten Sarahs Beine die falsche Hautfarbe und Rebekkas Bäckchen missfielen. Morgen werden es andere Problemchen sein, die die Schönheit der Schönen in Frage stellen. Das ist hart, aber auch Teil des Geschäfts. Daher möchte ich Heidi Klum nun doch noch ein Lob aussprechen für die Schlussnote, die sie für die Mädchen setzt. "Du bist ein wunderhübsches Mädchen" heißt es dort beinahe immer und man mag es als Betrachter nicht mehr hören können, doch für die Kandidatinnen selbst ist das doch der Satz, mit dem sie verabschiedet werden sollten. Denn in der Tat sind sie alle schön, nur nicht alle für das Model Business gemacht. Der Sendung wird oft vorgeworfen, sie verursache Komplexe in unausgereiften Jungmädchenseelen, doch ich denke, sie geht im Gegensatz zu anderen Castingsendungen noch sehr human mit den Teilnehmerinnen um. Letztendlich ist ein reguläres Casting in der Model-Welt sicherlich kaum so schonend im Umgang mit abgelehnten Bewerberinnen und, dem sollte man sich bewusst sein: Ein Model ist ein Werbeträger. Ein Model ist auch immer irgendwo ein Produkt. Damit muss man umgehen können, wenn man sich für die Branche entscheidet.
Ein Aspekt, der mich schon immer an Germany's Next Topmodel begeistert hat, sind die Fotoshootings, denn auch wenn diese mal nicht mit Taranteln und Ratten zum publikumsheischenden Schocker gemacht werden, sind sie doch immer sehenswert. Das es sich bei der Fotografie um eine Kunst handelt, die sowohl dem Model, dem Setting als auch dem Fotografen einiges an Können abverlangt, wird in dieser Show zurecht gerne betont und so stellt sich mir auch nie die Frage, ob eines der Shootings den Mädchen zuviel abverlangt. Dies ist der Job, für den sie letztendlich bezahlt werden möchten.
Das Manegen-Ambiente in dieser Woche war eine schöne Abwechslung zu den sonst eher actiongeladenen Settings der Show und die meisten Kandidatinnen haben die Chance genutzt, um ein bezauberndes Foto abzustauben. Dennoch gibt es am Procedere etwas zu bemängeln. Die Entscheidung, Simone schon während des Shootings in die Heimat zu schicken, hielt ich für unangemessen und zudem sehr kontraproduktiv. Zum einen mag man sich fragen, warum denn in der letzten Woche mit der Begründung, noch einmal jedem eine Chance geben zu wollen, niemand die Show verlassen musste, wenn es nun doch jene Chance für Simone nicht mehr gibt. Zum anderen sind die Kandidatinnen ohnehin einem sehr großen psychischen Druck ausgesetzt und es ist sicherlich nicht förderlich, wenn das Timing der Entscheidungen plötzlich eine solche Willkür erhält. Zu wissen, dass man jederzeit rausgeworfen werden kann, stellt eine unglaubliche Dauerbelastung für die verbliebenen Kandidatinnen dar. Zum ersten Mal empfand ich hier Anna Lenas Empörung: "Das ist echt gestört!" gerechtfertigt. Auch Tahnees Stressreaktion ist verständlich.
Bei der Performance der einzelnen Mädchen sind mir besonders Amelie, Natascha und Lisa aufgefallen. Diese Mädchen haben das Glück, weder zu markant noch zu unbesonders schön zu sein, was ihre Wandlungsfähigkeit enorm unterstützt. Ich denke, dass gerade diese Eigenschaft sich für sie als vorteilhaft erweisen wird. Rebekka hingegen hat, wie bereits letzte Woche angemerkt wurde, eher Ambitionen im Mainstream, also im Bereich des commercial modeling zu landen. Obwohl sie zu meinen persönlichen Favoritinnen zählt, bezweifle ich schon aufgrund der Aufmachung der Show, also der bisherigen 'Erzählstruktur', dass sie als Gewinnerin des Contests vorgesehen ist. Wahrscheinlicher ist wohl, dass eines der bisher weniger im Rampenlicht stehenden Mädchen zum Schluss zum Schwan gekürt wird.
Etwas befremdlich finde ich Heidi Klums Teilnahme am Shooting. Das Pokertunier scheint mir fingiert und es drängt sich der Verdacht eine Pseudo-Kameradschaft der Jurorin mit den Mädchen auf. Gerne mal wird es von den Kandidatinnen bejubelt, wenn Frau Klum sich an den Aktivitäten beteiligt, jedoch ist die Medienwirksamkeit solcher Szenen sicherlich nicht unerheblich. Dennoch muss man sagen, dass diese Momente wenigstens nichts Aufdringliches oder gar Anbiederndes haben. Letztendlich ist es eben doch eine TV Show und da dürfen Strategien wie das Einsetzen von Star-Appeal nicht fehlen.
Von Oberweiten und Fettnäpfchen
Das Dirndl-Casting im Hofbräuhaus Las Vegas offenbarte so Einiges, mitunter auch im Themenbereich Oberweite. Schon als Thomas Rath nach den Busenpads verlangte, versank mein Gesicht kurz in einer eleganten Facepalm, denn dies sind die Momente, in denen Pro7 für mich kurz im RTL2 Niveau landet. Galant versteckt sich nämlich gern auch der Voyeurismus in einigen der Kamerafahrten und so sind mir nun schon mehr Körperteile der Mädchen visuell geläufig, als es ihnen und mir lieb ist. Auch wenn es hier im Gegensatz zu anderen Sendern noch relativ diskret zugeht, wäre mir doch wohler dabei, den Kandidatinnen nicht beim Umkleiden zuschauen zu müssen. Das Thema Oberweite wurde dann von Sarah auch munter mit ins Casting genommen und dort zurecht mißbilligt. Allerdings muss man sagen, dass die Teilnehmerinnen teilweise sehr schlecht auf ihre Rollen in der Medienwelt vorbereitet sind. Viele von ihnen plappern sich um Kopf und Kragen, nichtsahnend, welchen Schaden sie damit anrichten können. Sarahs Oberweiten-Argument zum Beispiel war schlichtweg unprofessionell, aber auch einige Dinge, die die Mädchen in die Kamera hineinerzählen, geben einem zu denken. Die vielen missgünstigen Kommentare, die hier fallen, verbauen ihnen eigentlich schon per se eine Karriere als Topmodel und manchmal möchte man sie gerne durchschütteln deswegen. Natürlich ist diese Naivität aber auch das, was die Show braucht - es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Rivalität der Konkurrentinnen mächtig befeuert wird, denn Emotion bringt Quote. Nur manchmal wünschte man sich, dass die Mädchen sich nicht so leicht manipulieren ließen.
Interessant in dieser Hinsicht ist Rebekka, die trotz vielen Anfeindungen selbst nicht sehr feindselig reagiert. Anstatt zurückzuschießen hat sie für ihre Gegenspielerinnen oft nur ein Schulterzucken übrig - ist das nun Anstand oder Strategie?
Tanz für mich, Baby
Während Rebekka nun Dirndl bewerben darf, gehört den restlichen Mädchen die Bühne. Für eine Islandreise müssen sie mal eben das Tanzbein schwingen und eine elvisianische Kulisse damit zum Leben erwecken. Auflockerung ist ein gerne genommenes Schlagwort für solche kleinen challenges, aber Hand auf's Herz, notwendig ist das nicht. Das nicht die Beste, Amelie, sondern die Überraschendste, Marie Luise, die Reise schlussendlich gewinnt, erscheint nicht ganz fair, zumal die angeblich stattgefundene große Enwicklung ja auch eher fraglich ist. Mit dem finalen Ziel Topmodel jedenfalls hat diese Abfeierei nicht viel zu tun und wenigstens sieht man Marie nun einmal entschädigt für die ganze Tanzbär-Nummer, die sie nun schon seit Wochen aufführen muss.
Interessant ist Anna Lenas Raucher-Lunge, und zwar nicht aufgrund ihrer Existenz, sondern weil man hier einen kleinen Einblick in die Gebote der Show bekommt. "Das darf ich gar nicht sagen!", meint sie erschrocken, aber da ist es schon zu spät. Fit, schön & gesund, so sieht das Label aus, dass die Kandidatinnen auf der Stirn tragen sollen, doch mal ehrlich, wie wahrscheinlich ist es wohl, dass unter allen Bewerberinnen nicht eine einzige Raucherin zu finden sein soll? "Ich höre ja gerade mit dem Rauchen auf", wird da auch gleich nachgeschoben, als ob man sich für jedes kleine Laster, welches nicht ins Klumsche Universum passt, gleich schämen müsse.
Haute Couture & Entkrampfungspuff
Im entscheidenden Live-Walk müssen die Kandidatinnen Haute Couture präsentieren, also gnadenlos teure Designerkunstwerke, die niemals etwas anderes als den Laufsteg sehen werden. Das soll mit feierlichem Ernst geschehen und der will Manchen nicht gelingen. Wenn dann der Satz "Rebekka, du lernst ihr das!" kommt, krampfen einem schon die Eingeweide. Zwar trollen sich die Verantwortlichen dann mit der Erklärung "Rebekka kann das, sie kann helfen" plausibel davon, aber im Endeffekt ist doch allen klar, welche Wirkung solche Ansagen haben. Niemand will sich von einer defacto Gleichgestellten gerne zeigen lassen, wie der Job zu erledigen sei. Da kann man noch so oft das Plädoyer vortragen, man solle sich doch von den Besseren was abschauen - um das einzusehen sind die meisten Kandidatinnen einfach nicht bereit. Ich behaupte hingegen, dass hier gezielt mit Neid und Drama gearbeitet wird. Dennoch erneut interessante Reaktionen von Rebekka. Auch wenn sie "du Huhn" gerufen wird, sie gibt die Hilfestellung ohne Murren. Das war auch schon in der Vergangenheit der Fall, als sie die Aufgabe hatte, Anna Lena und Tahnee zu coachen. Trotz deren Widerspenstigkeit kamen von Rebekka keine bösen Kommentare, höchstens ein leichtes Entnervtsein. Noch einmal stellt sich mir die Frage: Charakterstärke? Plan? Interessant in jedem Fall.
Ein Highlight sind Anna Lenas Liegestütze und hier geht nun einmal ein Kompliment an die Riegen Schnitt, Ton und an alle, die sonst noch hinter den Kulissen werkeln, denn eines muss man der Show lassen: Sie wird unterhaltsam gestaltet und die Dramaturgie stimmt. So wird Anna Lenas Strafe zum netten Gag, ohne sie dabei allzusehr durch den Kakao zu ziehen.
Was hier an Würde bleibt, wird anderswo genommen.
Es nennt sich der Entkrampfungspuff und ist der absolute Stilbruch. Was die Sendung sonst an Klasse aufzubauen versucht, wird hier wieder niedergerissen, denn auf jenem Puff räkeln sich die verkrampften Laufstegköniginnen vor den Juroren, wann immer es denen gefällt. Mit einem Mal meint man, der Erotikkanal hätte sich eingeschlichen und das mag ja nicht jedem missfallen, aber den Mädchen selbst ist es sichtlich unangenehm. Das Prinzip des willigen Tanzbären, den ja Marie nun schon so oft spielen musste, nun wird es Joana aufgebürdet und ich muss mich fragen, wem denn diese lüsterne Laufstegserweiterung eingefallen ist. Schult man so Topmodelqualitäten? Oder bereitet man die Mädchen so auf die Plan B Karriere beim Miternachts-Call-TV vor? Dieser "Puff" gehört meiner Meinung nach jedenfalls gestrichen.
"Du bist ein wunderhübsches Mädchen"
Zuguterletzt nun ein Kommentar zum Abschlusswort. Die Kandidatinnen von Germany's Next Topmodel müssen eine Menge Kritik annehmen, was sehr an die Substanz gehen kann. Heute hatten Sarahs Beine die falsche Hautfarbe und Rebekkas Bäckchen missfielen. Morgen werden es andere Problemchen sein, die die Schönheit der Schönen in Frage stellen. Das ist hart, aber auch Teil des Geschäfts. Daher möchte ich Heidi Klum nun doch noch ein Lob aussprechen für die Schlussnote, die sie für die Mädchen setzt. "Du bist ein wunderhübsches Mädchen" heißt es dort beinahe immer und man mag es als Betrachter nicht mehr hören können, doch für die Kandidatinnen selbst ist das doch der Satz, mit dem sie verabschiedet werden sollten. Denn in der Tat sind sie alle schön, nur nicht alle für das Model Business gemacht. Der Sendung wird oft vorgeworfen, sie verursache Komplexe in unausgereiften Jungmädchenseelen, doch ich denke, sie geht im Gegensatz zu anderen Castingsendungen noch sehr human mit den Teilnehmerinnen um. Letztendlich ist ein reguläres Casting in der Model-Welt sicherlich kaum so schonend im Umgang mit abgelehnten Bewerberinnen und, dem sollte man sich bewusst sein: Ein Model ist ein Werbeträger. Ein Model ist auch immer irgendwo ein Produkt. Damit muss man umgehen können, wenn man sich für die Branche entscheidet.
Donnerstag, 14. April 2011
Let's get it done, already
Lange habe ich nun hin und her überlegt, ob die Welt nun noch einen Blog benötigt, der das Geschehen der Pro7 Sendung "Germany's Next Topmodel" kommentiert. Natürlich hat es die Welt keineswegs nötig und dennoch entsteht eben dieses Projekt hier. Die narzißtische Rechtfertigung: Ich, ich habe es nötig, diese Sendung zu kommentieren und meine Ansichten im World Wide Web zu wissen.
Um mich jedoch vielleicht ein wenig zu unterscheiden von den vielen, thematisch ähnlichen Blogs, setze ich mir Richtlinien, an die ich mich halten möchte und an denen sich auch eventuelle Kommentatoren bitte orientieren.
1. Ich bin entschieden gegen die Mode des Internet-Hatings und werde trotz natürlich verhandener Antipathien diese nicht zur Basis dieses Blogs werden lassen. Auch wenn ich persönlich einige Kandidatinnen unsymphatisch finden mag, habe ich kein Recht, diese hier persönlich anzugreifen. Jedwede Beleidigung wird also auch im Kommentarbereich nicht zugelassen.
2. Im Vordergrund sollen die Sendung und das Sendekonzept stehen, da mich vor allem oft die Frage beschäftigt, wann das Fernsehen zu weit geht und was noch zumutbar ist. Bei "Germany's Next Topmodel" scheint es im Gegensatz zu einigen anderen Casting - Shows noch eine Grenze zwischen Entertainment und Entwürdigung zu geben. Doch auch diese wird zuweilen überschritten, was nicht undiskutiert bleiben sollte. Eine Beteiligung an der Debatte ist natürlich gern gesehen.
Nach dieser Präambel kann es also morgen los- und hoffentlich wöchentlich weitergehen.
Ich wünsche gute Unterhaltung!
Um mich jedoch vielleicht ein wenig zu unterscheiden von den vielen, thematisch ähnlichen Blogs, setze ich mir Richtlinien, an die ich mich halten möchte und an denen sich auch eventuelle Kommentatoren bitte orientieren.
1. Ich bin entschieden gegen die Mode des Internet-Hatings und werde trotz natürlich verhandener Antipathien diese nicht zur Basis dieses Blogs werden lassen. Auch wenn ich persönlich einige Kandidatinnen unsymphatisch finden mag, habe ich kein Recht, diese hier persönlich anzugreifen. Jedwede Beleidigung wird also auch im Kommentarbereich nicht zugelassen.
2. Im Vordergrund sollen die Sendung und das Sendekonzept stehen, da mich vor allem oft die Frage beschäftigt, wann das Fernsehen zu weit geht und was noch zumutbar ist. Bei "Germany's Next Topmodel" scheint es im Gegensatz zu einigen anderen Casting - Shows noch eine Grenze zwischen Entertainment und Entwürdigung zu geben. Doch auch diese wird zuweilen überschritten, was nicht undiskutiert bleiben sollte. Eine Beteiligung an der Debatte ist natürlich gern gesehen.
Nach dieser Präambel kann es also morgen los- und hoffentlich wöchentlich weitergehen.
Ich wünsche gute Unterhaltung!
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