Samstag, 23. April 2011

"Nice Delivery!" Parabelflugzeuge und Haargeläster

Es ist Halbzeit bei Germany's Next Topmodel und von den Juroren wird auch keiner so schnell müde, das zu betonen. Verstanden, Halbzeit, jetzt gelten keine Ausreden mehr. Thomas & Thomas sitzen auch gleich zu Beginn knallhart auf Motorrädern, um ihre sich jetzt einstellende männliche Härte mit einem Ausrufungszeichen zu versehen. Sie machen klar: Ohne "Magic Moment" und "Delivery" geht es jetzt nicht mehr. Irgendwie stellt sich die Sendung mit solchen Ansagen aber auch selbst ein Bein. War denn bisher alles noch mittelmäßig? Wurde den Mädchen ergo nichts abverlangt? Qualität erst ab der Halbzeit? Nein, lediglich eine Präambel, die mal wieder den Druck aufbauen soll. doch dafür, dass jetzt angeblich alles besonders tough werden soll, ist die Folge doch recht langweilig.


Schüttel dein Haar für mich


Zu Beginn erleben wir ein Casting für Garnier, die für eine Printkampagne ein Haarmodel suchen. Die Mädchen laufen mit Tuch und schütteln ihr prächtiges Haupthaar für den Kunden, doch natürlich kann nur schütteln, wer hat. Das manches Haar zu kurz für die Kampagne ist, wird schnell klar und besonders Sihe mag einem leid tun, weil ihre langen, schwarzen Locken nicht mehr sind. Das die anderen Mädchen allerdings gleich wie die Habichte übereinander herfallen, erweckt in mir mal wieder den Wunsch, die Handynummern der Mädels zu besitzen und ihnen der Reihe nach auf den Anrufbeantworter zu sprechen: "Du baust dir da ein Image auf, dass dir nicht gefallen, aber an dir kleben bleiben wird!" Pauline ersehnt sich da gleich mal den Absturz der ausgewählten Kandidatinnen, die einen Parabelflug vor sich haben und bescheinigt Rebekka eine Hässlichkeit, die von innen kommt. Deren angebliche Naturlocken, die sie sich dann doch künstlich ins "Strohhaar" dreht, scheinen ohnehin ein beliebtes Thema zu sein und ich frage mich dann oft, ob ich das falsche Mädchen anschaue, da mir diese Worte nicht in den Sinn kommen. Nun hat sich Paulina jedenfalls durch ihre Kommentare auf der dunklen Seite der Macht verortet und ist auch prompt aus der Show geflogen. Das hat sich ja direkt gelohnt. Ich empfand Pauline eigentlich immer als eine gute Anwärterin für den Titel, immerhin hat sie dann doch den Topmodel -Look und ist wandlungsfähig, aber mittlerweile ist Germany's Next Topmodel nicht mehr die jüngste Show und man weiß, die Skandalschnuten landen meistens nicht weit vorn, weil ganz klar kein Kunde sich das negative Image eines Models mit in die Kampagne holen möchte ( wenn es sich nicht gerade um eine Naomi Campbell handelt ...). Ein kleiner Hinkucker ist dann noch Janas Unterwäsche, die Thomas nicht unkommentiert lassen kann: "Der Schlüpper passt zum Tuch!" Danke, Thomas. Du findest doch immer die richtigen Worte.


f(x) = x²


Na? Kennt ihr das noch? Ganz klar, das wird eine Parabel und wer sich jahrelang gefragt hat, wozu die gut sein soll, der bekommt jetzt den Parabelflug, bei dem die drei gewählten Kandidatinnen sich in Momenten der Schwerelosigkeit beweisen dürfen. Das Amelie mit ihrem ellenlange (beinahe abrasiertem!) Haar bei diesem ziemlich coolen Shooting abräumt, erwartet man quasi schon, aber trotzdem, auch Professionalität ist da im Spiel. Amelie macht ihre Jobs zunehmend besser und begeistert deshalb natürlich die Jury und den Kunden.

Dampflok, Körperklaus und Roboter


Diese Spitznamen haben sich Paulina, Marie-Luise und Sarah aufgrund ihrer Laufstegqualitäten selbst gegeben und müssen endlich mal trainieren. Das ist ganz witzig anzuschauen, aber auch schon lange mal dran gewesen, denn im Vergleich zu den frühen Staffeln der Show scheint dieses Training mehr und mehr zu kurz zu kommen. Gab es da nicht mal einen Übungslaufsteg? Jetzt scheint man sich damit zu begnügen, den Mädchen zu sagen, sie müssten üben, aber ohne Supervision kann das ja nur schief gehen. Das sich Training lohnt, zeigt sich schlussendlich bei Sarah, die es beim abschließenden Live-Walk tatsächlich mal schafft, die Jury zu überzeugen. Warum also nicht früher diese Extra-Übungen? Die Mädchen sollen das Modeln schließlich auch erst mal lernen. Dennoch gut, dass es überhaupt stattfindet. Marie-Luise hätte sich das Ganze ja mit Büchern, statt mit Eimern gewünscht. Dazu kann ich nur sagen: That's TV, Mary Lou.


Catfight, JETZT!


Es kann vorkommen, das man mit seiner TV Show in die Halbzeit kommt und feststellen muss: Zu wenig Drama, Baby. Aber dafür gibt es Abhilfe: Man stopft die Teilnehmerinnen in Zweiterteams und lässt sie dann in einem "Ich bin viel toller als du" - Delivery - Contest antreten. Das Argument: Man muss sich ja immer gegen die Konkurrenz durchsetzen. Ja... so? Das ist ein Alltagstest? Erstens mal glaube ich nicht, dass man sich bei einem Casting für die Kandidatin entscheiden würde, die ihrer Konkurrentin immer nur herrisch die Hand vor den Mund hält, sondern dann doch schon die Qualität der Argumente bewertet, zweitens müssen Models für gewöhnlich nicht nach solchen Konkurrenzkämpfen von Kameras begleitet miteinander die Zimmer teilen. Die Show stützt sich mittlerweile doch sehr auf ihre Soap-Elemente und da noch zu wenig Tränen geflossen und die Krallen auch nur zur Hälfte ausgefahren sind, versucht man da noch ein wenig Würze hineinzubringen. Leider viel zu offensichtlich und auch bei einigen Teams entzückend wenig erfolgreich. Sihe ist zum Beispiel ein Mädchen mit Anstand und auch wenn sie sich selbst zumindest argumentativ besser präsentieren könnte, so ist es doch schön mit anzusehen, wie sie die Konkurrentin lobt, anstatt sich selbst groß zu machen. Das ihr nun beigebracht wird, wie schlimm doch Nettigkeit ist, finde ich verwerflich. Da kann Thomas von seiner "Reality" reden, wie er will, Freundschaft und Fair Play sind sicher keine Fremdwörter in der Liga der Topmodels.


"Er hat so gut gerochen, so sauber, so intelligent"


Von einem Casting geht's ins nächste und die Kandidatinnen müssen mit einem gutriechenden Männermodel posieren. Das ist nicht weiter spektakulär und weil Joana schon ein kleiner Profi  ist, bekommt sie den Job. Den macht sie auch gleich sehr gut, ihre Wandlungsfähigkeit ist ja bereits thematisiert worden.

Feuer, Foto, Fantasielos


Zum Schluß gibt es noch ein entscheidendes Fotoshooting und wieder lässt man die Mädchen in Zweierteams antreten. Weder das Shooting selbst noch die Konstellationen sind originell: Bikinimädchen vor einer Feuerlandschaft? Ach. Rebekka muss mit Anna-Lena shooten? Ach.
Wer besser shootet, ist gleich eine Runde weiter und das ist natürlich nicht zum Anheizen der Stimmung gedacht. Dafür ist ja das Feuer da - Haha! Ein kleiner Aufreger ist noch die kranke Sarah, die mit Nasennebenhöhlenentzündung im Bett liegt, dann aber doch zum Shooting kommt, um gleich mit der Häme aller Konkurrentinnen übergossen zu werden. Schön inszeniert ist natürlich ihre Ankunft am Set, man könnte meinen, einen Trailer für "8 Mile" zu sehen. Nun ja, mein Kommentar dazu: Nasennebenhöhlenentzündung vortäuschen halte ich für unmöglich (die haben da Ärzte, Mädels) und nur, weil man dann und wann doch lacht, ist man nicht urplötzlich gesund. In dubio pro reo, meine Damen. Tja, und dann macht sie ihre Sache auch noch gut und kommt weiter, im Gegensatz zu Natascha, die einen schönen Zweifel hat: "Ich glaube nicht, dass es kein besseres Foto von mir gab." Oha, dafür bekommt sie gleich die Verbalpeitsche. Sie soll mal nicht so frech sein. Allerdings teile ich ihren Zweifel, immerhin hatte sie sich vorher beim Shooting noch wie wild in Pose geworfen. Nur passt sie jetzt wohl nicht mehr ins Showkonzept ODER wird vielleicht später nochmal zurück geholt werden (das ist ja auch ein gerne angewandter Kniff, weil er so schön unfair auf die anderen Kandidatinnen wirkt). Auch gehen muss Anna-Lenas Disskollegin Pauline/Paulina (?), sicher auch wegen jenem kleinen "schwarzen Fleck im Herzen", der natürlich nicht so thematisiert wird.

Halbzeit. Und doch so langweilig. Weder das Shooting noch die Castings waren besonders aufregend, lediglich der Parabelflug war interessant. Sonst viel Öl ins Zickenfeuer und nicht mal da lodernde Stichflammen.

Da mag ich nicht einmal ein ausgefeiltes Schlusswort schreiben...





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