Donnerstag, 28. April 2011

"Ich habe eine Banane für dich!" Glaubwürdig Kaffee trinken in Brasilien

Stranding Ovation


Zu Beginn der neuen Germany's Next Topmodel -Folge stranden die Mädchen in Brasilien und während Jorge, dessen Namensschreibung jetzt erst mal von mir ergooglet werden musste, sie auf Platten im Sand spazieren gehen lässt, frage ich mich, warum es keine weiblichen Catwalktrainer zu geben scheint. Oder sind wir nur so heiß auf High-Heel Männer, dass die Frauen einfach keine Chance auf diesen Job in der Show haben? Nun gut, die Frauenquote zu bemängeln, wäre jetzt sicher etwas kleinlich - es fiel mir nur auf. Natürlich muss auch gleich wieder eine Anna-Lena neben einer Rebekka daher laufen und natürlich passt ihr das gar nicht. Dieser Vergleichskrieg ermüdet mich langsam, vor allem, da er so einseitig ausgetragen wird. Wir sehen Anna-Lena jede Woche schimpfen und das Geschimpfe an Rebekka abprallen - "Muss nicht sein.", sagt sie und geht nicht weiter darauf ein. Derweil läuft Marie Luise ganz wunderbar entspannt über die Holzplatten und freut sich zurecht darüber.

Heidis Angels

Weil Heidi Klum nicht präsent sein kann, wird nun ständig eine Live-Schaltung zu ihr organisiert. Thomas & Thomas setzen sich mit Jorge fröhlich plaudernd vor den Fernseher und besprechen die Fälle wie einst Charlie mit seinen Engeln. Auch bei der Entscheidung sitzt Frau Klum dann im Zauberkasten und hat interessanterweise so vieles ganz anders gesehen als die Männer vor Ort. Diese kleinen Plauderstunden wirken etwas albern, als hätten sich die Juroren noch mal zu Kaffee und Kuchen verabredet, um heimlich über die Kandidatinnen zu lästern. Das hätte man vielleicht anders inszenieren, oder auch ganz weglassen können. So sehen wir eine Szene, hören eine Beurteilung und bekommen dann alles noch mal im Gesamtpaket rekapituliert, bevor es endlich weiter geht. Es wäre nicht der Untergang des Abendlandes, wenn die Sendung mal um 22:00 vorbei wäre und uns nicht noch künstlich aufgebläht in die Late - Night transportierte, die dann mit "Red!" auch gleich wieder alles wiederholt, was wir zuvor bei "Germany's Next Topmodel" sahen. Manchmal ist Pro 7 schauen so, als ob jemand einen Witz erzählt und man 5 Sekunden später sagt: "Weißt du noch, wie du da den Witz erzählt hast? Man, haben wir gelacht." Ab 22:00 Uhr ist man schon wieder dabei, sich anzuschauen, was man seit 20:00 Uhr gesehen hat - aber am liebsten brächte man ja auch den Jahresrückblick schon am 2. Januar...

Portugiesisch lernen, Sport machen, schöne Kleider tragen


So schaut dann im Prinzip das Leben nach dem Strand aus. Für ein Kaffeeshooting lernen erst mal alle komplizierte Worte, um sich dann aber auf Deutsch zu blamieren. Sarahs Definition von Temperament ist verwunderlich und die Demonstration desselben gelingt wenigen. Nur Jana und Rebekka dürfen also nach Rio fliegen, Anna-Lena brodelt wieder vor sich hin. In Rio selbst muss getanzt werden, um den Kunden zu überzeugen und obwohl sich beide Kandidatinnen gut machen, muss auch ich als heimlicher Rebekka - Sympathisant zugeben, dass Jana es doch besser macht und sich den Job verdient hat. Ihre Fotos sind dann allerdings nicht so berauschend, wie ich es erwartet hätte.

Wer noch zu jung ist um Kaffee zu trinken, oder nicht überzeugend genug Kaffee trinken wollte, für den geht es zum Casting für das Cover der "Shape". Hier wird ein Fitness-Test gemacht, der dann doch nicht ausschlaggebend für die Entscheidung des Kunden ist, denn gewählt wird Aleksandra, die zwar fit aussieht, aber nicht ist. Für ein Casting hinter geschlossenen Türen wäre dies nicht weiter schlimm, aber dass sich die "Shape" hier im TV so arglos bloßstellen lässt, ist peinlich. Von nun an wissen wir: Die sportlichen Mädchen in diesem Magazin sind wahrscheinlich kein bisschen sportlich. Etwas dumm für ein Fitnessmagazin. Überhaupt sind die Topmodels von morgen erstaunlich unsportlich, nur ein geringer Bruchteil der Kandidatinnen ist wirklich fit. Herzallerliebst ist mal wieder Marie Luise, die sich selbst gerade noch das Können für einen Purzelbaum bescheinigt. Von ihr ist mittlerweile schon ziemlich klar, dass sie nicht die heißeste Anwärterin auf den Topmodelolymp ist, dennoch hofft man, sie möge noch lange dabei bleiben, um die Langeweile zu vertreiben.

Zuguterletzt gibt es noch eine imposante Modenschau, bei der die Mädchen sich in schicken Kleidern vor echtem Publikum beweisen dürfen. Gerade Lisa und Sarah überraschen hier sehr positiv.

Ritt der Walküre, Ranking der Willkür


Diese Woche gibt es noch etwas ganz Besonderes: Ein Ranking. Ein Öffentliches. Da ist gleich zu Beginn von einer Punktevergabe die Rede, aber wer wann für was Punkte gibt, das ist nicht zu erkennen. So wird Aleksandra in der Entscheidung zurecht pampig, denn obwohl ihre Woche perfekt lief, ist sie nicht unter den Top 3. Das liegt daran, dass Thomas & Thomas die Modenschau, an der Dank der Jobs nicht alle Mädchen teilnehmen konnten, ziemlich schwer gewertet haben. So ist zwar noch Jana an der Spitze, weil man sich auf sich als neues Zugpferd eingeschossen hat, aber Aleksandra und Rebekka sind nicht mehr zu finden auf der äußerst schlau gestalteten Rankingtafel, die lediglich Auskunft über die drei Besten und die drei Schlechtesten gibt. Klar muss sich Aleksandra veräppelt fühlen, wenn sie nach Spitzenleistungen im anonymen Mittelfeld versteckt wird. Außerdem erweist sich das neue Punkte(?)system auch bei den schwachen Kandidatinnen als wenig hilfreich, denn auch nach  einem Extraposing mit dem "wunderbaren male model", sind Sarah und Sihe gleichauf miteinander. Anstatt mal intuitiv damit rauszurücken, dass es für Sarah nichts werden kann (die Kundenreaktionen sprechen da doch das Machtwort), bekommen beide Mädchen nochmal die "Banane" ("Ich habe eine Banane für dich" war zuvor Marie Luises Fehlübersetzung der Ansage, dass sie in der nächsten Runde sei, in schöner Anlehnung an Heidi Klums "Ich habe heute ein/ kein Foto für dich"). Eine langweilige Entscheidung.

"Ich bin 16, ich sollte so was noch gar nicht können"

Ein schöner Satz von Jil, nachdem sie mit dem Männermodel verführerisch posieren sollte. Das sollte man dann und wann sowohl als Zuschauer als auch bei Pro 7 bedenken, die Mädels sind teilweise blutjung und wenn da wer keinen Kaffee trinkt, oder sich Intimitäten mit furchtbar kliché-haften Muskelmännern verweigert, dann kann man auch mal zurückschrauben und das Alter der Kandidatinnen im Blick behalten. Es wundert mich ohnehin, dass nicht ständig brüskierte Mütter auftauchen, um ihre minderjährigen Mädchen wieder mit heimzunehmen.

Eine blonde Asiatin und Kaffee in Brasilien


Sihe bekommt keine Jobs. Warum? Weil man ihr die Haare abgeschnitten und blond gefärbt hat. Jetzt sieht sie interessant aus, ist aber zu speziell, um in irgendeine Werbekampagne hereinzupassen. Das hätte man vielleicht überdenken sollen. Schon letzte Woche konnte sie schlecht für ein Haarprodukt ausgewählt werden, jetzt kann sie schlecht als blonde Asiatin brasilianisches Temperament verkörpern. Jetzt landet sie regelmäßig bei den Wackelkandidatinnen - das ist ja prima gelaufen.

War was?

Erneut muss ich sagen, dass die Folge ziemlich langweilig war. Keine tollen Fotos, keine interessanten Aufgaben, lediglich die Modenschau war einigermaßen spannend, sonst hatte Germany's Next Topmodel diese Woche nichts zu bieten. Auch das Gift, dass unter die Mädchen gemischt wurde, bringt nichts hervor, denn Rebekka will die Hutschnur trotz aller Anfeindung nicht platzen und Sarah ist sich ihrer Unbeliebtheit zwar bewußt, schießt aber ebenfalls nicht zurück, sondern lässt sich leise mobben und steht mutterherzerweichend allein da, wenn sie in die nächste Runde kommt. Auch wenn man ihr die Eignung zum Topmodel absprechen muss, sieht man sich doch mit mulmigem Gefühl im Magen an, wie die Gruppe sie verstößt. Es rächt sich, dass der Fokus über die letzten Jahre auf die persönlichen Dramen der Mädchen gelegt wurde, denn diese finden in der aktuellen Staffel nur halbherzig statt und nun weiß man nicht, wohin man schwenken soll. Mehr Qualität tut Not, mehr Kunst, mehr Fotografie, mehr Stil, mehr Mode. Mehr als ein Schluckauf in der Fernsehlandschaft ist diese Sendung jedenfalls gerade nicht.

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