Freitag, 15. April 2011

"Wo ham wir nochma die Pads für die Busen?" Ballerina, Dirndl & Tanzmarie

Cirque du soleil 


Ein Aspekt, der mich schon immer an Germany's Next Topmodel begeistert hat, sind die Fotoshootings, denn auch wenn diese mal nicht mit Taranteln und Ratten zum publikumsheischenden Schocker gemacht werden, sind sie doch immer sehenswert. Das es sich bei der Fotografie um eine Kunst handelt, die sowohl dem Model, dem Setting als auch dem Fotografen einiges an Können abverlangt, wird in dieser Show zurecht gerne betont und so stellt sich mir auch nie die Frage, ob eines der Shootings den Mädchen zuviel abverlangt. Dies ist der Job, für den sie letztendlich bezahlt werden möchten.

Das Manegen-Ambiente in dieser Woche war eine schöne Abwechslung zu den sonst eher actiongeladenen Settings der Show und die meisten Kandidatinnen haben die Chance genutzt, um  ein bezauberndes Foto abzustauben. Dennoch gibt es am Procedere etwas zu bemängeln. Die Entscheidung, Simone schon während des Shootings in die Heimat zu schicken, hielt ich für unangemessen und zudem sehr kontraproduktiv. Zum einen mag man sich fragen, warum denn in der letzten Woche mit der Begründung, noch einmal jedem eine Chance geben zu wollen, niemand die Show verlassen musste, wenn es nun doch jene Chance für Simone nicht mehr gibt. Zum anderen sind die Kandidatinnen ohnehin einem sehr großen psychischen Druck ausgesetzt und es ist sicherlich nicht förderlich, wenn das Timing der Entscheidungen plötzlich eine solche Willkür erhält. Zu wissen, dass man jederzeit rausgeworfen werden kann, stellt eine unglaubliche Dauerbelastung für die verbliebenen Kandidatinnen dar. Zum ersten Mal empfand ich hier Anna Lenas Empörung: "Das ist echt gestört!" gerechtfertigt. Auch Tahnees Stressreaktion ist verständlich.

Bei der Performance der einzelnen Mädchen sind mir besonders Amelie, Natascha und Lisa aufgefallen. Diese Mädchen haben das Glück, weder zu markant noch zu unbesonders schön zu sein, was ihre Wandlungsfähigkeit enorm unterstützt. Ich denke, dass gerade diese Eigenschaft sich für sie als  vorteilhaft erweisen wird. Rebekka hingegen hat, wie bereits letzte Woche angemerkt wurde, eher Ambitionen im Mainstream, also im Bereich des commercial modeling zu landen. Obwohl sie zu meinen persönlichen Favoritinnen zählt, bezweifle ich schon aufgrund der Aufmachung der Show, also der bisherigen 'Erzählstruktur', dass sie als Gewinnerin des Contests vorgesehen ist. Wahrscheinlicher ist wohl, dass eines der bisher weniger im Rampenlicht stehenden Mädchen zum Schluss zum Schwan gekürt wird.

Etwas befremdlich finde ich Heidi Klums Teilnahme am Shooting. Das Pokertunier scheint mir fingiert und es drängt sich der Verdacht eine Pseudo-Kameradschaft der Jurorin mit den Mädchen auf. Gerne mal wird es von den Kandidatinnen bejubelt, wenn Frau Klum sich an den Aktivitäten beteiligt, jedoch ist die Medienwirksamkeit solcher Szenen sicherlich nicht unerheblich. Dennoch muss man sagen, dass diese Momente wenigstens nichts Aufdringliches oder gar Anbiederndes haben. Letztendlich ist es eben doch eine TV Show und da dürfen Strategien wie das Einsetzen von Star-Appeal nicht fehlen.

Von Oberweiten und Fettnäpfchen


Das Dirndl-Casting im Hofbräuhaus Las Vegas offenbarte so Einiges, mitunter auch im Themenbereich Oberweite. Schon als Thomas Rath nach den Busenpads verlangte, versank mein Gesicht kurz in einer eleganten Facepalm, denn dies sind die Momente, in denen Pro7 für mich kurz im RTL2 Niveau landet. Galant versteckt sich nämlich gern auch der Voyeurismus in einigen der Kamerafahrten und so sind mir nun schon mehr Körperteile der Mädchen visuell geläufig, als es ihnen und mir lieb ist. Auch wenn es hier im Gegensatz zu anderen Sendern noch relativ diskret zugeht, wäre mir doch wohler dabei, den Kandidatinnen nicht beim Umkleiden zuschauen zu müssen. Das Thema Oberweite wurde dann von Sarah auch munter mit ins Casting genommen und dort zurecht mißbilligt. Allerdings muss man sagen, dass die Teilnehmerinnen teilweise sehr schlecht auf ihre Rollen in der Medienwelt vorbereitet sind. Viele von ihnen plappern sich um Kopf und Kragen, nichtsahnend, welchen Schaden sie damit anrichten können. Sarahs Oberweiten-Argument zum Beispiel war schlichtweg unprofessionell, aber auch einige Dinge, die die Mädchen in die Kamera hineinerzählen, geben einem zu denken. Die vielen missgünstigen Kommentare, die hier fallen, verbauen ihnen eigentlich schon per se eine Karriere als Topmodel und manchmal möchte man sie gerne durchschütteln deswegen. Natürlich ist diese Naivität aber auch das, was die Show braucht - es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Rivalität der Konkurrentinnen mächtig befeuert wird, denn Emotion bringt Quote. Nur manchmal wünschte man sich, dass die Mädchen sich nicht so leicht manipulieren ließen.
Interessant in dieser Hinsicht ist Rebekka, die trotz vielen Anfeindungen selbst nicht sehr feindselig reagiert. Anstatt zurückzuschießen hat sie für ihre Gegenspielerinnen oft nur ein Schulterzucken übrig - ist das nun Anstand oder Strategie?

Tanz für mich, Baby


Während Rebekka nun Dirndl bewerben darf, gehört den restlichen Mädchen die Bühne. Für eine Islandreise müssen sie mal eben das Tanzbein schwingen und eine elvisianische Kulisse damit zum Leben erwecken. Auflockerung ist ein gerne genommenes Schlagwort für solche kleinen challenges, aber Hand auf's Herz, notwendig ist das nicht. Das nicht die Beste, Amelie, sondern die Überraschendste, Marie Luise, die Reise schlussendlich gewinnt, erscheint nicht ganz fair, zumal die angeblich stattgefundene große Enwicklung ja auch eher fraglich ist. Mit dem finalen Ziel Topmodel jedenfalls hat diese Abfeierei nicht viel zu tun und wenigstens sieht man Marie nun einmal entschädigt für die ganze Tanzbär-Nummer, die sie nun schon seit Wochen aufführen muss.

Interessant ist Anna Lenas Raucher-Lunge, und zwar nicht aufgrund ihrer Existenz, sondern weil man hier einen kleinen Einblick in die Gebote der Show bekommt. "Das darf ich gar nicht sagen!", meint sie erschrocken, aber da ist es schon zu spät. Fit, schön & gesund, so sieht das Label aus, dass die Kandidatinnen auf der Stirn tragen sollen, doch mal ehrlich, wie wahrscheinlich ist es wohl, dass unter allen Bewerberinnen nicht eine einzige Raucherin zu finden sein soll? "Ich höre ja gerade mit dem Rauchen auf", wird da auch gleich nachgeschoben, als ob man sich für jedes kleine Laster, welches nicht ins Klumsche Universum passt, gleich schämen müsse.

Haute Couture & Entkrampfungspuff


Im entscheidenden Live-Walk müssen die Kandidatinnen Haute Couture präsentieren, also gnadenlos teure Designerkunstwerke, die niemals etwas anderes als den Laufsteg sehen werden. Das soll mit feierlichem Ernst geschehen und der will Manchen nicht gelingen. Wenn dann der Satz "Rebekka, du lernst ihr das!" kommt, krampfen einem schon die Eingeweide. Zwar trollen sich die Verantwortlichen dann mit der Erklärung "Rebekka kann das, sie kann helfen" plausibel davon, aber im Endeffekt ist doch allen klar, welche Wirkung solche Ansagen haben. Niemand will sich von einer defacto Gleichgestellten gerne zeigen lassen, wie der Job zu erledigen sei. Da kann man noch so oft das Plädoyer vortragen, man solle sich doch von den Besseren was abschauen - um das einzusehen sind die meisten Kandidatinnen einfach nicht bereit. Ich behaupte hingegen, dass hier gezielt mit Neid und Drama gearbeitet wird. Dennoch erneut interessante Reaktionen von Rebekka. Auch wenn sie "du Huhn" gerufen wird, sie gibt die Hilfestellung ohne Murren. Das war auch schon in der Vergangenheit der Fall, als sie die Aufgabe hatte, Anna Lena und Tahnee zu coachen. Trotz deren Widerspenstigkeit kamen von Rebekka keine bösen Kommentare, höchstens ein leichtes Entnervtsein. Noch einmal stellt sich mir die Frage: Charakterstärke? Plan? Interessant in jedem Fall.

Ein Highlight sind Anna Lenas Liegestütze und hier geht nun einmal ein Kompliment an die Riegen Schnitt, Ton und an alle, die sonst noch hinter den Kulissen werkeln, denn  eines muss man der Show lassen: Sie wird unterhaltsam gestaltet und die Dramaturgie stimmt. So wird Anna Lenas Strafe zum netten Gag, ohne sie dabei allzusehr durch den Kakao zu ziehen.
Was hier an Würde bleibt, wird anderswo genommen.

Es nennt sich der Entkrampfungspuff und ist der absolute Stilbruch. Was die Sendung sonst an Klasse aufzubauen versucht, wird hier wieder niedergerissen, denn auf jenem Puff räkeln sich die verkrampften Laufstegköniginnen vor den Juroren, wann immer es denen gefällt. Mit einem Mal meint man, der Erotikkanal hätte sich eingeschlichen und das mag ja nicht jedem missfallen, aber den Mädchen selbst ist es sichtlich unangenehm. Das Prinzip des willigen Tanzbären, den ja Marie nun schon so oft spielen musste, nun wird es Joana aufgebürdet und ich muss mich fragen, wem denn diese lüsterne Laufstegserweiterung eingefallen ist. Schult man so Topmodelqualitäten? Oder bereitet man die Mädchen so auf die Plan B Karriere beim Miternachts-Call-TV vor? Dieser "Puff" gehört meiner Meinung nach jedenfalls gestrichen.

"Du bist ein wunderhübsches Mädchen"

Zuguterletzt nun ein Kommentar zum Abschlusswort. Die Kandidatinnen von Germany's Next Topmodel müssen eine Menge Kritik annehmen, was sehr an die Substanz gehen  kann. Heute hatten Sarahs Beine die falsche Hautfarbe und Rebekkas Bäckchen missfielen. Morgen werden es andere Problemchen sein, die die Schönheit der Schönen in Frage stellen. Das ist hart, aber auch Teil des Geschäfts. Daher möchte ich Heidi Klum nun doch noch ein Lob aussprechen für die Schlussnote, die sie für die Mädchen setzt. "Du bist ein wunderhübsches Mädchen" heißt es dort beinahe immer und man mag es als Betrachter nicht mehr hören können, doch für die Kandidatinnen selbst ist das doch der Satz, mit dem sie verabschiedet werden sollten. Denn in der Tat sind sie alle schön, nur nicht alle für das Model Business gemacht. Der Sendung wird oft vorgeworfen, sie verursache Komplexe in unausgereiften Jungmädchenseelen, doch ich denke, sie geht im Gegensatz zu anderen Castingsendungen noch sehr human mit den Teilnehmerinnen um. Letztendlich ist ein reguläres Casting in der Model-Welt sicherlich kaum so schonend im Umgang mit abgelehnten Bewerberinnen und, dem sollte man sich bewusst sein: Ein Model ist ein Werbeträger. Ein Model ist auch immer irgendwo ein Produkt. Damit muss man umgehen können, wenn man sich für die Branche entscheidet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen